Entwicklung von ICF Core Sets für Rückenmarksverletzungen (Spinal Cord Injury SCI)
Hintergrund:

Eine Rückenmarksverletzung (spinal cord injury (SCI) weist auf eine Behinderung oder den Verlust der motorischen und/oder sensorischen Funktion in den zervikalen, Thorax-, lumbalen oder sakralen Segmenten des Rückenmarks, an zweiter Stelle auf eine Schädigung der neuronalen Elemente im Spinalkanal hin. Funktionale Langzeitergebnisse nach SCILong-term ergeben sich aus einer Kombination aus akuter neurologischer Genesung und medizinischer Intervention, rehabilitation und Integration in die Gemeinschaft.Eine wichtige Grundlage für den optimalen akuten und auch langfristigen Umgang mit SCI ist ein tieferes Verständnis, eine systematische Betrachtungsweise und eine einwandfreie Messung ihrer Konsequenzen auf verschiedenen Ebenen.
Verschiedenste Messungen wurden für die Beschreibung und Einschätzung der Folgen von SCI vorgenommen. Nachteile ergeben sich aus der großen Variation der momentan zur Verfügung stehenden Messinstrumente, der Variation in den ihnen zugrundeliegenden Dimensionen und terminologischer Unklarheit. Dies beinhaltet auch die Schwierigkeit, Daten von einem Versorungsabschnitt - Notfall, medizinische, wiederherstellende, ambulante und gemeinschaftliche klinische Versorgung - einem weiteren Versorgungsabschnitt mit einem anderen klinischen Fokus zu übertragen.
Die Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation ermöglicht einen umfassenden und universell anerkannten Rahmen für die Beschreibung der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit von Personen mit den unterschiedlichsten Erkrankungen. Aus der Erkenntnis, dass die Wichtigkeit und Stärke des ICFs in seiner Konzeptualisierung von Funktionsfähigkeit und Behinderung liegt, ergibt sich die dringende Aufforderung, ICF-basierte Instrumente zu entwickeln, die geeigenter für den klinischen Informationsbedarf sind. Spezifische Listen von ICF-Kategorien für Einzelpersonen mit einer bestimmten Erkrankung oder in einer bestimmten Situation, die sogenannten ICF Core Sets, gehenauf diesen Bedarf ein.


Projekt:

Der Plan zur Entwicklung der ICF Core Sets für Personen mit SCI in der ersten stationären Phase und entsprechend für Personen mit chronischer SCI entstand in einem ersten Meeting in Nottwil in der Schweiz im Januar 2005. Hier trafen Mitglieder der ICF Research Branch des WHO Collaboration Centers of the Family of International Classifications, Deutschland, die Internationale Gesellschaft für Rückenmark und eine Schweizer Delegation für die Einführung des ICFs zusammen.
Das Projekt ist eine Kooperation der ICF Research Branch des World Health Organization (WHO) Collaboration Centers of the Family of International Classifications (DIMDI, Germany), mit dem CAS (Classification, Assessment and Surveys) team und dem DAR (Disability and Rehabilitation) team der WHO, der International Spinal Cord Society (ISCoS) und der International Society for Physical and Rehabilitation Medicine (ISPRM) sowie Partnerinstitutionen weltweit.
Das Projekt besteht aus vier weltweiten Studien (2005-2006) und einer ICF Core Set-Konsensus-Konferenz (Anfang 2007). Für SCI relevante ICF-Items werden mit Hilfe von (I) emprischen Studien, (II) systematischen Reviews der Ergebnisse und der in der SCI-Forschung eingesetzten Messungen (III) einer Delphi- Befragung mit Experten und (IV) Fokusgruppen oder halbstrukturierten Interviews mit Personen mit SCI bestimmt. Ein Konsens über die Items, die Bestandteil des Umfassenden und des Kurzen ICF Core Sets für SCI sein werden, wird in einer abschließenden ICF Core Set-Konsensus-Konferenz erarbeitet. Um diese Core Sets zu validieren, werden im Anschluss daran Feldstudien erforderlich sein.




Kontaktperson:Monika Scheuringer

   

SCI ICF Core Set Consensus Conference

 

Publikationen

 

ICF Research Branch of WHO CC F IC (DIMDI)
Institute for Health and Rehabilitation Sciences, Ludwig-Maximilian University
Home Last update 05.01.08 Impressum