Entwicklung von ICF Core Sets für Schlaf Störungen

Die im Jahr 2001 durch die Weltgesundheitsversammlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verabschiedete Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) bietet ein anerkanntes Rahmenkonzept für die Beschreibung der funktionalen Gesundheit von Personen mit einer bestimmten Gesundheitsstörung wie z.B. mit Schlafstörungen. Die ICF basiert auf einer ganzheitlichen Perspektive, die die funktionale Gesundheit und Behinderung über die Komponenten Körperstrukturen und -funktionen, Aktivitäten und Partizipation als auch Personenbezogene Faktoren und Umweltfaktoren abbildet. Die ICF-Klassifikation mit ihren über 1.400 Kategorien kann als Referenz gesehen werden, ist aber in der klinischen Praxis nicht anwendbar. Um die ICF praktikabel für den Einsatz in der klinischen Praxis zu machen, müssen so genannte ICF Core Sets entwickelt werden. Bisher wurden ICF Core Sets für 12 chronische Erkrankungen und für die Frührehabilitation im Akutkrankenhaus und in Einrichtungen der post-akuten Frührehabilitation, nicht aber für Schlafstörungen entwickelt.
Da die Funktionsfähigkeit ein bedeutender outcome für Personen mit Schlafstörungen ist, werden in diesem Projekt ICF Core Sets für Schlaf entwickelt, um für diese Gesundheitsstörungen relevante ICF-Kategorien von Funktionsfähigkeit zu identifizieren. Das Projekt wird von der Schweizer Paraplegiker Gruppe finanziert. Es ist ein Kooperationsprojekt zwischen den Schlafzentren des Universitätsspitals Zürich und des Inselspitals Bern (Schweiz), der Schweizer Paraplegiker Forschung (Schweiz), der ICF Research Branch an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Deutschland), der World Association of Sleep Medicine (WASM), und dem Classification, Assessment and Surveys (CAS) Team der WHO. Ziel des geplanten Forschungsvorhabens ist es, ICF Core Sets für Patienten mit jeglicher Art von Schlafstörung zu entwickeln. Die ICF Core Sets für Schlaf werden auf einer ICF Core Set Konsensus-Konferenz im Mai 2009, in Siuntio Finnland verabschiedet, in die evidenzbasiert Erkenntnisse aus folgenden Vorstudien integriert werden:
(a) Systematischer Literaturreview: In dem Literaturreview werden (1) alle Parameter extrahiert, die in Studien mit Schlaf-Patienten erhoben werden, und (2) die Konzepte, die diese Parameter beinhalten, mithilfe der ICF als Referenz identifiziert und quantifiziert.
(b) Qualitative Studie: Mithilfe der qualitativen Forschungsmethodik von Fokusgruppen (qualitative Gruppeninterviews) soll (1) die Sichtweise von Patienten mit Schlafstörungen hinsichtlich ihrer funktionalen Gesundheit exploriert und verstanden werden und (2) Konzepte der funktionalen Gesundheit, die für die Patienten wichtig sind, identifiziert und mit der ICF und deren Kategorien in Beziehung gesetzt werden.
(c) Expertenbefragung: Mit der Expertenbefragung werden die relevanten Aspekte der funktionalen Gesundheit von Patienten mit Schlafstörungen exploriert. An dieser weltweiten Expertenbefragung nehmen weltweit Experten unterschiedlicher Berufsgruppen aus unterschiedlichen Disziplinen (Neurologen, Pulmonologen, Psychiater, Psychologen, Pflegende, Techniker etc.) teil.
(d) Empirische Querschnittstudie: Mit der erweiterten Version der ICF Checkliste der WHO Version 2.1a werden in einer Querschnittsstudie Daten von Patienten mit Schlafstörungen erhoben, um die funktionale Gesundheit der Patienten aus klinischer Sicht zu beschreiben. Zusätzlich zu der erweiterten Version der ICF Checklist der WHO werden der SF-36, die Epworth Sleepiness Scale, der Komorbiditätsfragebogen (SCQ) und fünf Fragen zur Zufriedenheit mit verschiedenen Lebensbereichen aus dem World Health Organization Quality of Life Questionnaire (WHOQoL) erhoben, um die subjektive Einschätzung der Patienten hinsichtlich Gesundheit und Wohlbefinden zu erfassen.
Die Ergebnisse dieser vier Vorstudien werden im Mai 2009 auf der ICF Core Set Konsensus-Konferenz in Siuntio, Finnland einem internationalen Expertenpanel vorgestellt und in einem mehrstufigen Verfahren eine Entscheidung bezüglich der Auswahl der ICF Kategorien für die ICF Core Sets für Schlaf getroffen.

Steering committee: Markku Partinen, Gerold Stucki, Armin Stucki, Franz Michel, Bedirhan Üstün

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: Felix Gradinger

ICF Research Branch of WHO CC F IC (DIMDI)
Institute for Health and Rehabilitation Sciences, Ludwig-Maximilian University
Home Last update 05.01.08 Impressum