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Validierung
des umfassenden ICF Core Sets aus der Perspektive der
Patienten
Michaela Coenen (Munich, Germany)
Ein wesentlicher Aspekt bei der Validierung von ICF
Core Sets ist die Patientensicht. Während die Patientensicht
bereits implizit in der ICF berücksichtigt wird
(z.B. Einschränkung von Aktivitäten und Partizipation,
personbezogene Faktoren), wird sie nun explizit in die
Validierung der ICF Core Sets mit einbezogen. Als Standard
für Funktionsfähigkeit und Gesundheit in Forschung
und klinischer Praxis sollen die ICF Core Sets die Perspektive
derjenigen wiedergeben, die eine Krankheit "erfahren".
Qualitative Forschungsmethoden eröffnen die Möglichkeit,
die Perspektive derjenigen zu untersuchen, die ein gesundheitliches
Problem aufweisen. Um ICF Core Sets zu validieren, wurden
zwei weit verbreitete Methoden der qualitativen Forschung
- Fokusgruppen (Gruppendiskussionen) und qualitative
Einzelinterviews - eingesetzt. Mit dem Einsatz von Fokusgruppen
bzw. Einzelinterviews wurden die folgenden beiden Ziele
verfolgt: (a) Erforschung und Verstehen des Zusammenhangs
zwischen einer spezifischen Gesundheitsstörung
und der Funktionsfähigkeit und Gesundheit aus Sicht
der Patienten unter Verwendung eines qualitativen Forschungsansatzes
und (b) Identifizierung von Konzepten der Funktionsfähigkeit
und Gesundheit, die für Patienten wichtig und relevant
sein können, unter Verwendung der ICF als Referenz.
Das Umfassende ICF Core Set für rheumatoide Arthritis
(RA) war das erste ICF Core Set, das aus der Patientensicht
unter Zuhilfenahme von Fokusgruppen* und qualitativen
Einzelinterviews validiert wurde. In Wien wurden Einzelinterviews
mit 21 Patienten, in München Fokusgruppen mit 49
Patienten durchgeführt. Die transkribierten Daten
aus den Interviews und Fokusgruppen wurden mithilfe
der qualitativen Analysemethode der bedeutungsvollen
Kondensation ('meaning condensation') ausgewertet. Dabei
wurden in den Transkripten so genannte Bedeutungseinheiten
('meaning units') identifiziert. Jede Bedeutungseinheit
wurde gemäß etablierter Linking-Regeln zu
der jeweils spezifischsten ICF-Kategorie gelinkt. Beide
Studien wurden bereits abgeschlossen.
Das ICF Core Set für chronischen Ganzkörperschmerz
ist ein weiteres ICF Core Set, das aus der Patientensicht
validiert wird. Etwa 10% der Bevölkerung ist von
chronischem Ganzkörperschmerz betroffen. Zahlreiche
Gesundheitsstörungen sind mit dem chronischen Ganzkörperschmerz
assoziiert, was für die Betroffenen hohen Leidensdruck
und Belastung zur Folge hat. Patienten äußern
Probleme mit der Funktionsfähigkeit, psychische
Belastung, Erschöpfungszustände, schlechte
Schlafqualität und Schwierigkeiten im täglichen
Leben (Cieza et al., 2004). Chronischer Ganzkörperschmerz
ist eines der Hauptsymptome der Fibromyalgie (FM), einer
Krankheit, von der schätzungsweise 3-5% der Bevölkerung
betroffen sind (Gran, 2003). FM ist ein Syndrom, das
durch muskuloskeletalen Schmerz, Erschöpfungszuständen
und Druckempfindlichkeit gekennzeichnet ist. Weitere
klinische Manifestationen sind Depressionen, schlechter
Schlaf, Kopfschmerzen und gastrointestinale Symptome
(Clauw, 1995). Um das Umfassende ICF Core Set für
chronischen Ganzkörperschmerz aus der Patientensicht
zu validieren, werden derzeit in München Fokusgruppen
mit FM-Patienten* durchgeführt. Zur Validierung
Weitere Validierungsstudien aus der Patientensicht sind
in Planung.
*
gefördert durch den Bundesverband : Bundesverband
der Deutschen Rheuma-Liga e.V.
Kontaktperson:
Michaela Coenen
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